Wachstumskurs
21 Jahren
Das räumliche Leitbild der Metropolregion Hamburg wurde am 14. Mai 2024 verabschiedet. Es ist ein Kompass für eine dynamische Entwicklung der Metropolregion Hamburg und beschreibt, wie sich dieser Raum, in dem rund fünf Millionen Menschen leben, bis 2045 verändern wird.
21 Jahre – das war früher das Alter, mit dem man volljährig wurde. In gewisser Weise gilt das auch für die Metropolregion Hamburg (MRH). Natürlich ist hier alles schon fertig und lebensfähig. Dennoch stehen wir staunend wie Kinder vor einer Entwicklung, die wir im Moment noch nicht richtig greifen können. Starkregenereignisse und Sturmfluten zeugen vom Klimawandel auf der einen Seite, eine Ansiedlung von europäischer Dimension wie Northvolt steht für die Transformation zu einer klimaneutralen Industrielandschaft auf der anderen. Wir müssen lernen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um an den kommenden Aufgaben wachsen zu können.![]()
Es ist gut, bei einem solchen Prozess einen Leitfaden zu haben, um sich daran zu orientieren. Einen solchen Leitfaden gibt es mit dem „räumlichen Leitbild 2045“ der MRH, der vom Regionsrat, dem höchsten Gremium der Metropolregion, verabschiedet wurde. Es beschreibt die Zukunft der Region und bezieht dabei die Gesamtheit wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Faktoren ein. Diese Zukunft wird nicht im Detail beschrieben, sondern nur über Prinzipien.
Auslöser für den zweijährigen Prozess, in dem das Leitbild erarbeitet wurde, war eine Studie der OECD. Darin wurden der MRH viele Stärken bescheinigt. Eine wesentliche Schwäche ist aber, dass über vier Bundesländer Prozesse und Entscheidungen auseinanderfallen.
Mehr als 200 Fachleute aus Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden und Planern aus der Region kamen im Laufe der Zeit zusammen. Die Ziele des räumlichen Leitbilds, die sie erarbeiteten, sind: die Region dynamisch zu entwickeln, die Lebensqualität zu steigern, die Erreichbarkeit zu verbessern, den Energiereichtum und die Lage an der See zu nutzen und dabei in der Region arbeitsteilig vorzugehen.
Vier Kapitel beschreiben näher, woran die MRH sinnvollerweise wachsen wird. Das erste und wichtigste spricht von „starken, vernetzten und multitalentierten Landschaften“. Ein grünes Netz in der Metropolregion verbindet die vorhandenen National- und Naturparks und die Biosphärenreservate. Landschaften werden in Teilen wasserdynamisch gestaltet, um eine proaktive Klimaanpassung zu ermöglichen. Das heißt insbesondere, mit Starkregenereignissen oder Fluten umzugehen. Küstenschutz und Deichsicherheit sind wichtiger als je zuvor. Alle anderen Kapitel verlieren ihren Sinn, wenn die Region sich nicht vor allem anderen mit diesen Themen auseinandersetzt und handelt.
Die „Blütenblätter des Mobilitätsnetzes“ bilden das zweite Kapitel. Verkehrswege und Beziehungen in den vergangenen 100 Jahren waren zentral auf Hamburg ausgerichtet. Dabei wurde versäumt, die wachsenden zentralen Orte innerhalb der Region ausreichend miteinander zu verbinden. Neue Expressbahnrouten fächern sich zukünftig als multimodales System wie eine Blüte auf, um die Zentren der Region miteinander und mit den ländlich geprägten Räumen zu verbinden. Zu dem Mobilitätsversprechen, das die MRH geben will, gehören auch der Neubau der A 20, der Ausbau der A 23 und andere mehr.
Die Metropolregion nutzt ökonomische Potenziale durch den Ausbau erneuerbarer Energien. So beschreibt es das dritte Kapitel. Als „Schwungräder der Region“ treiben Perspektivräume die Innovation in der Region voran. Der Perspektivraum für die Westküste ist das Dreieck zwischen Heide, Brunsbüttel/Cuxhaven und Itzehoe/Elmshorn. Dieser Raum hatte lange das Image, am Rand des Geschehens zu liegen. In der „Deltastadt“ werden aber nun u. a. Energiereichtum und Batterietechnik zusammengefasst – abgeleitet vom griechischen Buchstaben Delta, einem Dreieck. Innerhalb der Deltastadt und darüber hinaus werden neue Beziehungen und Wege geschaffen. Die frühere Peripherie rückt damit ins Zentrum.
„Siedlungsachsen als prägende Raumstruktur“ bilden das vierte Kapitel. Die Siedlungsstrukturen in der MRH sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von stark verstädterten Kernräumen bis zu kleinteilig, dörflich und ländlich geprägten Regionen. Im Sinne einer klimasensiblen Entwicklung soll zukünftig eine kompakte und nutzungsgemischte Siedlungsentwicklung verfolgt werden. Flächensparend kann damit auf ein Bevölkerungswachstum reagiert werden.
Wir stehen am Anfang eines Strukturwandels. Es mag sein, dass wir jetzt noch unsicher auf dem Weg sind. Aber wir werden in die Themen und Herausforderungen hineinwachsen. Es wird viel Arbeit werden, wir werden unterwegs Fehler machen, vielleicht sogar Trotzphasen haben oder die Welt nicht mehr verstehen und uns neu sortieren müssen. Aber den Weg werden wir gehen. Das räumliche Leitbild ist ein ständiger Begleiter, an dem wir uns orientieren können, vom „Müssen“ über das „Dürfen“ bis hin zum „Können“: Am Ende wird es uns helfen, souverän dazustehen und bei allen Herausforderungen Lösungen zu finden.
Wir sehen uns – in 21 Jahren.
Text: Dr. Paul Raab, Bild: Kreis Pinneberg, Fabian Frühling, Christian Brandes
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„Die Zusammenarbeit in der Metropolregion zeigt, wie wichtig der strategische Rahmen für ein vernetztes und zielgerichtetes Handeln ist. Im Fokus standen bislang besonders Fragen der Mobilität und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Auch bei uns im Kreis wurden gute und wichtige Projekte angestoßen. Das neue räumliche Leitbild knüpft daran an und reagiert auf aktuelle Veränderungen und Transformationen, die auch wir im Kreis Pinneberg intensiv spüren: Wir haben einen großen Bevölkerungsanstieg in den letzten Jahren zu verzeichnen. Die Ansiedlung von Northvolt in Heide wird auch bei uns Wirkung entfalten. Das räumliche Leitbild greift die Herausforderungen auf, die für die Einwohnerinnen und Einwohner der Metropolregion besonders wichtig sind. Die Themen des Leitbilds erhalten einen Fokus und eine Priorität, worauf es gerade in Zeiten von „klammen öffentlichen Haus halten“ ankommt. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure und die Umsetzung dieses Leitbilds in konkrete Maßnahmen.“
Elfi Heesch,
Landrätin Kreis Pinneberg
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„Ich sehe im Leitbild eine große Chance für die Entwicklung unserer Region und für den gesamten Norden. Mit dieser Vision vor Augen, mit einem Bekenntnis der verschiedenen Verwaltungsebenen im Rücken, haben wir eine gute Grundlage für die Gestaltung der vielen Themen, die uns in Zukunft begegnen. Vor allem der Bereich Infrastruktur ist für die Wirtschaft eine extreme Belastung. Gerade hier setze ich große Hoffnungen, dass die dringend erforderlichen Maßnahmen nun endlich zügig vorankommen.“
Nathalie Rieck,
Unternehmerin und Landesvorsitzende DIE JUNGEN UNTERNEHMER SH DIE FAMILIENUNTERNEHMER e.V.