Blickpunkt: Nachbarschaft
Nachhaltige Nachbarschaft
Beim Schlendern durch Innenstädte ist unübersehbar: Leerstände nehmen zu, große Ketten halten sich und inhabergeführte Geschäfte findet man immer seltener. Die Innenstädte sind im Wandel, was auch Raum für ein Umdenken über die Flächennutzung und -gestaltung schafft. Genau davon umgetrieben, schließen sich lokale Läden zusammen, unterstützen sich gegenseitig und tragen zum gegenseitigen Geschäftserfolg bei. Jüngstes Beispiel: der Asmus-Bremer-Platz in Kiel.
Die Gruppe nennt sich „The Sustainables“ – und der Name ist ihr verbindendes Element: Nachhaltigkeit. Die Idee zum umweltfreundlichen Shoppingviertel entstand innerhalb von nur acht Wochen, obwohl einige der Läden schon mehrere Jahre ansässig sind und eher nebenher als miteinander agiert haben. „Seit Sommer 2024 helfen wir uns aus, wo wir können, denn jeder bringt seine eigenen Fähigkeiten mit ein“, erzählt Heinke Koriath von ECHT.GUT.
„The Sustainables“ würden sich in jedem Fall freuen, wenn sich dadurch noch mehr lokale Unternehmen darin bestärkt fühlen, ihrem Netzwerk beizutreten und so zur Bereicherung des Standorts beitragen. Ein Mitglied ist wiederum selbst ein Netzwerk, das KOSMOS by opencampus.sh. Als Plattform bietet es fair produzierten Produkten von mehr als 150 Start-ups, Kreativen und jungen Unternehmen aus Kiel eine Gelegenheit, ihre Produkte in optimaler Lage zu platzieren. Jonas Godau, Innenstadtmanager bei Kiel-Marketing e.V., sieht die Zukunft der Innenstädte auch in Kooperativen. „Für die Innenstadtentwicklung sollten Stadtplanungsamt, Innenstadtmanagement, Wirtschaftsförderung und lokale Akteurinnen und Akteure wie Investierende oder Einzelhandel von Anfang an eng und partnerschaftlich zusammenarbeiten“, so Godau. Die Stadt und Kiel-Marketing unterstützen deswegen solche Vorhaben gerne sowohl wirtschaftlich als auch infrastrukturell.
Ein verbindendes Thema, wie im Fall Nachhaltigkeit, sei allerdings nicht zwingend nötig, damit so ein nachbarschaftlicher Zusammenschluss funktioniert, so Andreas Zwanck von derHeimathafen. „Man muss nur offen sein für die Meinungen der anderen Beteiligten, damit schnell ein Konsens entsteht und man sich nicht in kleinteiligen Abstimmungen verliert.“ Davon sind auch Kerstin Kegel von der Luxus Designer Boutique ProSeco und Maren Jaenisch, Gründerin und Kuratorin des Kieler Zimmers, überzeugt. So ist allen geholfen: den Betreibenden, der Stadt und vor allem der breiten Bevölkerung, die ab sofort gerne für das „Nachhaltigkeitsviertel“ einen Abstecher in die Innenstadt macht. Dafür lohnt es sich, mit offenen Augen durch die Nachbarschaft zu gehen und sich ab und zu gemeinsam an einen Tisch zu setzen.
Die IHK-Leitimpulse für attraktive Standorte sind hier zu finden
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Nachhaltig
ECHT.GUT. heißt das Sozialkaufhaus der stadt.mission.mensch gGmbH in der Kieler Innenstadt.
| Synergie-Effekte für stationäre Läden und Angebote sind vielfältig – auch über Branchengrenzen hinaus. Zum Beispiel zwischen Einzelhandel und Tourismus, Gastronomie oder Kulturangeboten. Verbindendes Element kann, neben gemeinsamen Themen wie Nachhaltigkeit oder Regionalität, das grundlegende Interesse sein, den gemeinsamen Standort zu beleben und mit dem passgenauen Blick auf den Kunden und Besucher nach vorne zu bringen. Ob institutionalisiert als Verein oder PACT oder ganz informell: Entscheidend ist das persönliche Kennenlernen. Auf Basis von Vertrauen können dann auch neue Ideen entstehen – für Erlebnismehrwert, Individualität und Alleinstellungsmerkmale des Standorts.” Dr. Liane Faltermeier, |
Text: Annchristin Seitz, Bild: Annchristin Seitz, Claus-Christian Schaar