Echt lebenswert: 

Wie Bäume und Plankton unsere Luft sichern

Echt, rein, sauber – gute Luft enthält genug Sauerstoff zum Atmen und möglichst wenig ungesunde Schadstoffe. Zwei Ökosysteme sind wesentlich dafür verantwortlich: Plankton im Meer und Bäume an Land. In beiden Gebieten agieren Forschende und Unternehmen in Schleswig­Holstein. Das GEOMAR Helmholtz­Zentrum für Ozeanforschung Kiel schaut auf den – teils kritischen – Zustand der sauerstoffspendenden Mikroalgen in der Ostsee. Und im Raum Pinneberg sichern Hunderte Baumschulen den Nachschub für effiziente und gesunde Stadtbäume in Zeiten des Klimawandels.

Weißesche, Eisenholzbaum oder Chinesisches Rotholz: Immer häufiger finden sich ungewöhnliche Baumarten in deutschen Städten. Bei neuen Anpflanzungen verdrängen sie nach und nach Linde und Spitzahorn, Eiche oder Rosskastanie, die heute noch die urbane Baumwelt dominieren. Der Grund: Die über Jahrzehnte bewährten Arten kommen mit steigenden Temperaturen und häufiger Trockenheit nur schlecht zurecht. „Und nur gesunde Bäume können belastete Stadtluft gut filtern und effizient reinigen“, sagt Jens Sander, Geschäftsführer der Baumschule E. Sander GmbH in Tornesch. Sie liegt mitten im Pinneberger Baumschulland.

Die Kulturlandschaft wirkt wie eine Mischung aus Landwirtschaft, Garten und Park. Auf junge, exakt in Reihen stehende Alleebäume folgen Bänder aus Heckenpflanzen und immer wieder Gewächshäuser der gut 200 Baumschulbetriebe. Dazwischen ziehen sich Knicks – alte, aumbestandene Hecken – als grüne Linien durch die Geestlandschaft, unterbrochen von Zufahrten, Bewässerungsleitungen und Hofgebäuden. Es ist eines der größten zusammenhängenden Baumschulgebiete Europas. Jedes Jahr wachsen hier auf gut 3.500 Hektar rund eine Milliarde Pflanzen heran. 

Auf der Suche nach hitzeresistenten Klimabäumen

Weißesche, Eisenholzbaum oder Chinesisches Rotholz: Immer häufiger finden sich ungewöhnliche Baumarten in deutschen Städten. Bei neuen Anpflanzungen verdrängen sie nach und nach Linde und Spitzahorn, Eiche oder Rosskastanie, die heute noch die urbane Baumwelt dominieren. Der Grund: Die über Jahrzehnte bewährten Arten kommen mit steigenden Temperaturen und häufiger Trockenheit nur schlecht zurecht. „Und nur gesunde Bäume können belastete Stadtluft gut filtern und effizient reinigen“, sagt Jens Sander, Geschäftsführer der Baumschule E. Sander GmbH in Tornesch. Sie liegt mitten im Pinneberger Baumschulland.

Die Kulturlandschaft wirkt wie eine Mischung aus Landwirtschaft, Garten und Park. Auf junge, exakt in Reihen stehende Alleebäume folgen Bänder aus Heckenpflanzen und immer wieder Gewächshäuser der gut 200 Baumschulbetriebe. Dazwischen ziehen sich Knicks – alte, aumbestandene Hecken – als grüne Linien durch die Geestlandschaft, unterbrochen von Zufahrten, Bewässerungsleitungen und Hofgebäuden. Es ist eines der größten zusammenhängenden Baumschulgebiete Europas. Jedes Jahr wachsen hier auf gut 3.500 Hektar rund eine Milliarde Pflanzen heran. 

Die richtigen Arten für jeden Standort in jeder Stadt 

Für die passende Mischung bietet Sander heute rund 70 verschiedene Klimabäume. „Denn jede Stadt und jeder Standort in der Stadt ist anders“, sagt er. Gerne berät er Stadtplanerinnen und ­planer bei der Wahl der richtigen Gewächse. „Denn die Bäume sollen ja mehrere Jahrzehnte gedeihen“. Stetig erweitert er – mit wissenschaftlicher Unterstützung – sein Angebot. Dabei hilft sein Klimabaumhain vor den Toren von Tornesch, in dem Dutzende weiterer Baumarten aus aller Welt dem norddeutschen Klima trotzen. „Mit unserem Klima kommen nicht alle Bäume zurecht. Einige – wie die Japanische Hainbuche – gehen nach kurzer Zeit ein“, weiß Sander. Doch viele Arten, von der Seidenraupen­Eiche bis zur Morgenländischen Platane, halten wacker stand. Das Antlitz einer Stadt werden diese Bäume nicht allzu sehr verändern. Denn Laien können selbst exotisch klingende Arten von heimischen Bäumen kaum unterscheiden. Nur wer genauer hinschaut, erkennt ungewöhnliche Details wie stark gezackte Blätter oder etwas hellere Borken. Ganz unabhängig von ihrem Aussehen bilden Bäume die Grundlage für saubere und kühlere Stadtluft in den kommenden Jahrzehnten. 

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Warum Luftqualität nicht an der Küste endet

Saubere Luft entsteht nicht nur an Land. Einen ebenso großen Beitrag leistet das Meer. „Rund die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, kommt aus dem Meer“, sagt Dr. Helmke Hepach, Expertin für marine Umweltwissenschaften am GEOMAR Helmholtz­Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Wesentlich verantwortlich für den stetigen Sauerstoffschub ist Phytoplankton. Im Meer tummeln sich frei schwebend Myriaden dieser mikroskopisch kleinen, pflanzlichen Organismen. Von Kieselalgen über Dinoflagellaten bis zu Cyanobakterien schätzen Biologen ihre Vielfalt auf bis zu 20.000 Arten weltweit. Genauso wie Bäume betreiben sie Photosynthese: Sie atmen Kohlendioxid ein und Sauerstoff aus, fangen Sonnenlicht ein und bauen dabei Biomasse auf. Sie stehen am Anfang fast jeder marinen Nahrungskette und können zudem noch Kohlendioxid dauerhaft speichern. 

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Ein System unter Druck

„Doch dem Ökosystem Ostsee geht es nicht gut“, sagt Hepach. Überdüngung und steigende Temperaturen stören das ökologische Gleichgewicht. Ausgedehnte Algenblüten im Sommer und sauerstoffarme „Todeszonen“ im Meer zählen zu den Folgen – verursacht durch ein Übermaß an Phytoplankton­Biomasse. „Phytoplankton eignet sich als sehr empfindlicher Indikator für den Zustand des Ökosystems“, sagt Hepach. Die Organismen stehen daher im Fokus des deutsch­dänischen Forschungsprojekts RECOVER. Ende 2025 gestartet wird das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Interreg Deutschland – Danmark Programms geförderte Projekt einen digitalen Zwilling der westlichen Ostsee von der Travemündung bis zum Kleinen Belt erstellen. Es ist ein virtuelles Abbild, das Umweltentwicklungen sichtbar macht und drohende Belastungen frühzeitig erkennen kann. Neben GEOMAR, den Universitäten in Kiel, Odense, Esbjerg und Sønderborg beteiligen sich 21 weitere Netzwerkpartner aus Industrie, Verwaltung und Zivilgesellschaft. 

„Wir kombinieren Messungen im Meer, Satellitenaufnahmen und KI­Methoden für die Bestandsaufnahme der südwestlichen Ostsee“, sagt Hepach. So lernen die Forschenden, welche Phytoplankton­Arten von welchen Nährstoffen bei bestimmten Wetterlagen profitieren. „Cyanobakterien – auch Blaualgen genannt – mögen Wärme und Phosphor“, sagt Hepach. Sie können andere Arten wie beispielsweise Kieselalgen verdrängen. „Und die fehlen dann dem Dorsch als Nahrung“, führt Hepach ein Beispiel für die komplexen Wechselwirkungen an. RECOVER liefert das Wissen und die Methoden, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen. Zukünftige Strategien zum Schutz der Ostsee können darauf aufbauen, um Artenvielfalt, Fischbestände und nicht zuletzt genug Sauerstoff im Wasser und in der Luft zu sichern.

Wirtschaft braucht eine gesunde Umwelt 

Saubere Luft ist keine Nebensache, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Produktivität, Standortqualität und Lebenswert. Bäume an Land und Plankton im Meer übernehmen diese Aufgabe täglich in einer Dimension, die sich technisch nicht ersetzen lässt. Beispiele aus Schleswig­Holstein zeigen, dass diese natürliche Infrastruktur nur dann leistungsfähig bleibt, wenn Forschung, unternehmerisches Handeln und langfristiges Denken zusammenkommen. Für Unternehmerinnen und Unternehmer bedeutet das: Investitionen in klimaangepasste Lösungen, nachhaltige Produktionsprozesse und wissenschaftliche Erkenntnisse sind keine Kür, sondern sichern Wettbewerbsfähigkeit. 

Text: Jan Oliver Löfken  
Fotos: Adina Merkel, GEOMAR/Sarah Kählert