Starke Namen, starke Bilder

Von tierischen Unternehmensbotschaftern

Schlau wie ein Fuchs und fleißig wie eine Biene – Tiere begleiten uns seit Jahrhunderten als Sinnbilder für Eigenschaften, die Menschen und Unternehmen gleichermaßen auszeichnen können. In der Wirtschaft sind tierische Namensgeber mehr als schmückendes Beiwerk: Sie schaffen Identität, erzählen Geschichten und stiften Nähe – zu Kundinnen und Kunden ebenso wie zu Mitarbeitenden. Diese sechs Unternehmen zeigen, wie vielfältig ihre gewählte tierische Symbolik ist.

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Der Löwe: Mutmacher mit Scheren und Stimme

„Ein starker Löwe kommt aus seinem Schutzschild heraus“, beschreibt Christina Lücking das Logo des Vereins Starke Löwen e. V., den Barbara und Randolph Schröder, Mo Helbig, Hannah Tholl und sie in Anlehnung zum Unternehmen Original Löwe Scheren gegründet haben. Das Ziel: den Mut von Kindern und Jugendlichen durch Coaching und mentales Training fördern und sie auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben stark machen.

In Handarbeit und mit viel Präzision werden im Unternehmen in Flintbek hochwertige Scheren für Pflanzen, Jagd und Industrie gefertigt. Der Löwe steht dabei nicht nur für Qualität, sondern auch für gesellschaftliche Verantwortung, die nicht am Werkstor Halt macht: Sämtliche Verwaltungskosten des Starke Löwen e. V. übernimmt das Unternehmen, Spenden kommen daher direkt Kindern und Jugendlichen in der Region zugute.

„Wir wollen Mutmacher sein“

Zwei Löwen unter einem Dach: Randolph Schröder produziert Präzisionsscheren und gründete mit Ehefrau Barbara, Mitarbeiterin Christina Lücking sowie Mo Helbig und Hannah Tholl den Verein Starke Löwen e. V. Ihre Mission: Kindern eine Stimme geben und sie mental stärken. „Bisher haben wir mit Geld unterstützt. Jetzt geben wir unsere Energie, Ideen und persönliches Engagement – und hoffentlich ganz viel Mut.“

Gebr. Schröder GmbH, Flintbek

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Die Maus: Design mit Anspruch und Freude

„Heißen Sie wirklich so?“ Diese Frage hört Simon Maus oft. Und ja: Der Name ist echt. In Kiel führt er die Küchenhaus Maus GmbH in zweiter Generation – mit einem klaren Bekenntnis zu Design und Qualität.

Die Maus ist hier alles andere als grau. Sie steht für kluge, kreative Lösungen: Arbeitsplatten mit unsichtbar integrierten Induktionsfeldern, Türen, die aussehen wie Küchenfronten, und Räume, die nahtlos Kochen und Wohnen verbinden. Der Name schafft Wiedererkennung – und Sympathie. Auch die Kaffeebecher im Küchenhaus zieren Mäuse. „Ich fühle mich wohl mit diesem Namen. Er hat einen hohen Wiedererkennungswert. Nicht zuletzt, weil sich Maus auf Küchenhaus reimt“, sagt Simon Maus lachend. Er bekam sogar Figuren und Kunstwerke rund um die kleinen Nager von Kundinnen und Kunden geschenkt. So sorgen Mäuse damals wie heute für Design und Freude in der Kieler Burgstraße.

„Design ist Kunst, die sich nützlich macht“

Simon Maus plant Küchen wie Wohnräume: mit unsichtbaren Kochfeldern, grifflosen Fronten und unsichtbaren Türen. Schlau und kreativ. „Mäuse sind niedlich. Ich fühle mich wohl mit diesem Namen. Er hat einen hohen Wiedererkennungswert. Nicht zuletzt, weil sich Maus auf Küchenhaus reimt“, sagt Simon Maus. Die Kunden lieben den Namen – und bringen immer wieder kleine Mäusegeschenke vorbei.

Küchenhaus Maus GmbH, Kiel
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Der Igel: Bodenständig und zuverlässig

In Bargstedt sind Igel nicht nur Tiere mit Stacheln, sondern benennen auch seit drei Generationen einen Familienbetrieb. IGEL GmbH & Co. KG steht für Erd- und Baggerarbeiten – von Drainagen bis zu Kleinkläranlagen.

Torsten und Indra Igel haben das Unternehmen von Onkel Hans-Heinrich Igel übernommen. Dem 77-Jährigen, mit Spitznamen „Heini-Bagger“, wurde zwar die Führung des Betriebs, nicht aber die Führung des Baggers zu viel. „Ich gehe sicher früher, zusammen mit meinen langjährigen Mitarbeitenden in Rente“, sagt Torsten Igel augenzwinkernd, aber bestimmt. Die prompte Antwort seiner Frau: „Das glaube ich erst, wenn ich es sehe.“ Mit dem Ende der unternehmerischen Verantwortung entsteht oft eine neue Freude am Tun. Das hat das Ehepaar bei Heini-Bagger beobachtet. Auf dem Betriebsgelände ist Bodenständigkeit und eine gewisse Widerstandskraft spürbar. Passend zum Bild eines Tieres, das sich zwar klein macht, aber genau weiß, was es kann und wie es sich schützt.

„Wir wollen nicht wachsen“

„Als Spezialist im Bereich Kleinkläranlagen ist die Arbeit für uns handhabbar und gibt uns ein gutes Gefühl“, sagt das Ehepaar Igel. Den Überblick behalten Torsten und Indra Igel gern – im Büro in Bargstedt und auf den Baustellen im Norden. Zu ihrem feinen Team gehört auch Onkel Hans-Heinrich, der selbst mit 77 Jahren mit dem Bagger nicht zu bremsen ist. Klein, widerstandsfähig, spezialisiert – einfach bester Igel-Style.

IGEL GmbH & Co. KG, Bargstedt
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Der Bär: Stärke und Respekt

Bären sind stark, aber auch Einzelgänger. Eigenschaften, die im Sicherheitsgewerbe durchaus gefragt sind. Doch bei der Bär Security GmbH in Neumünster setzt Gründer Omar Raschid auf mehr: Dialog, Deeskalation und Verantwortung.

Der gebürtige Syrer kam 2015 nach Deutschland, lernte schnell die Sprache und gründete mit großem Ehrgeiz sein eigenes Unternehmen. „Ich hatte ein Ziel“, erinnert er sich zurück. Heute schützt sein zwölfköpfiges Team Messen, Baustellen und Stadtfeste. Wie der Unternehmensname vermuten lässt, arbeiten hier etliche bärenstarke Mitarbeitende. „Das flößt sicher manchem Respekt ein. Aber echten Respekt verschafft man sich in erster Linie durch Dialog“, ist Omar Raschid überzeugt.

„Respekt erwächst nicht durch Muskeln“

„Wir setzen auf Dialog und Deeskalation bei der Objektbewachung und der Begleitung von Stadtfesten und Festivals“, berichtet Omar Raschid, Geschäftsführer der Bär Security GmbH. Handgreiflich wird es nur im Ernstfall. „Wir leisten bei Bedarf Erste Hilfe, rufen den Rettungswagen oder die Polizei“, erläutert Koordinator Suad Velovic. Nicht immer werden sie als Helfer anerkannt. Aber Bären lassen sich zum Glück nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Bär Security GmbH, Neumünster
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Die Kuh: Bunt und lebendig

Auf Helgoland ist Bunte Kuh mehr als ein Restaurant. Es ist eine Institution. Pächterin Jasmin Tavarez Ventura führt die Hummerbuden-Gastronomie mit persönlicher Note – und einer gehörigen Portion Herzblut.

Der Name geht auf eine Hansekogge zurück, deren Galionsfigur ein Kuhkopf zierte. Mit ihr wurde der Pirat Störtebeker zu seiner Hinrichtung nach Hamburg gebracht. Heute schmücken rund 500 Kühe aus Holz, Stoff oder Keramik das urige Lokal – alles Geschenke von Gästen. Die weiteste Reise hat eine kleine Stoffkuh aus Jersey auf die Insel gemacht. Sie ist das Geschenk eines Seglerstammgastes.

All diese Stücke haben ihren eigenen Platz und machen die Bunte Kuh zu einem Ort, an dem maritime Geschichte, Inselkultur und Gastfreundschaft gelebt werden.

„Bekannt wie eine bunte Kuh“

„Ich habe meinen ungewöhnlichen Nachnamen von meinem dominikanischen Ehemann Andrés, und der Name Bunte Kuh kommt von einer Hansekogge mit einem Kuhkopf als Galionsfigur. Diese brachte den Piraten Störtebeker zu seiner Hinrichtung nach Hamburg“, berichtet Jasmin Tavarez Ventura. Bunte Kuh ist eine Institution auf Helgoland – und die Geschichte zur Herkunft des Namens ist in den Speisekarten abgedruckt.

Bunte Kuh, Helgoland
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Der Adler: Traditionsbewusst und wandlungsfähig

Seit 1755 existiert die Adler Apotheke Pinneberg OHG – mit königlichem Privileg des dänischen Königs Frederik V. Bis heute adelt dieses Prädikat die Apotheke, auch wenn es schon mal zu Irritationen kommt, weiß Dr. Christopher Schwartz. Er leitet die Apotheke bereits in vierter Generation. „Ich wurde gefragt, ob auch Kassenpatienten bei uns Medikamente erhalten.“ Selbstverständlich, sehr gerne.

Der Adler steht hier für Weitblick und Beständigkeit. Mit einem großen Warenlager, eigener Herstellung und einem Team von 40 Fachkräften sorgt die Adler Apotheke für schnelle und umfassende Versorgung. „Hora ruit – die Zeit eilt“, lautet das Familienmotto. Doch im Zeichen des Adlers zeigt sich, dass Beständigkeit und Weitblick dem Lauf der Zeit standhalten.

„Wir essen nicht von Tellern mit Adlermotiv“

„Tierische Namensgeber waren im 18. Jahrhundert populär. Der Adler als Symbol für Macht, Schutz, Zuverlässigkeit und Weitsicht sollte wohl den Prestigecharakter des königlichen Erlasses zur Gründung der ersten Apotheke in der Region unterstreichen“, vermutet Dr. Christopher Schwartz, Inhaber der 1755 gegründeten königlich privilegierten Adler Apotheke in Pinneberg. „Aber auch wenn der Adler ein Herzstück unserer Familiengeschichte ist, essen wir nicht von Tellern mit Adlermotiv“, sagt der Apotheker lachend. Adler und Familiencredo „Hora ruit – Die Zeit eilt“ sind für ihn und sein Team Ansporn für vorausschauende Entwicklung.

Adler Apotheke Pinneberg OHG

Nomen est omen

Ob Löwe, Maus, Igel, Bär, Kuh oder Adler – die tierischen Namensgeber dieser Unternehmen schaffen Bilder, die weit über reine Symbolik hinausgehen. Sie prägen das Selbstverständnis, wecken Emotionen und machen Unternehmen unverwechselbar.

Alexandra Thom
Adina Merkel